Probleme

Kleinere Probleme gab es natürlich während des gesamten Auslandsjahrs. Das erste Mal dass mir dabei aber alles zu viel wurde, war Anfang November. Letizia und ich hatten oft versucht, diese Probleme selbst zu lösen, allerdings entschieden wir uns dann, dass wir dringend die Hilfe von AFS brauchten, da es so nicht mehr weiter gehen konnte. wir riefen also nach der Midterm-Orientation einen AFS-Freiwilligen an und baten ihn um Hilfe. Dieser trug uns auf, eine Mail mit einer Zusammenfassung unserer Probleme zu schicken.

Diese gingen leider allesamt von nur einer Person aus, von der wir mehr abhingen als von jeder anderen, nämlich der uns eigentlich von AFS zur Verfügung gestellten Betreuerin, deren Aufgabe es gewesen wäre, uns zu helfen, die aber in Wirklichkeit die Quelle aller unserer Probleme ist. Es war ein seltsames Gefühl, sich zu beschweren, weil AFS uns viele Male aufgetragen hatte, das selbst nicht zu tun, aber warum waren wir denn sonst mit einer Organisation nach Indien gekommen, wenn nicht, um in schwierigen Situationen auf Hilfe hoffen zu können?

Und unsere Liste mit Beschwerden war lang. Die Kommunikation mit unserer AFS- Betreuerin klappt nämlich überhaupt nicht. Es ist ja schon beunruhigend, dass sie eine Angestellte der Schule ist, obwohl uns doch eine unabhängige
Vermittlerin von AFS zusteht. Dazu kommt noch, dass diese Frau keinerlei Verständnis für uns hat und jede Situation grundsätzlich falsch versteht. Ich kann mich an kein Gespräch mit ihr erinnern, dass nicht irgendwann in einem Konflikt endete, ganz egal ob das Gespräch zwischen ihr und uns oder ihr und den indischen Schülern verlief. Dabei zweifele ich persönlich auch daran, dass ein kultureller Konflikt vorlag, da selbst indische Erwachsene von außerhalb der Schule uns Schüler nach dem Kontakt mit ihr fragen: „Wie könnt ihr diese Frau nur tolerieren?“ oder „Die Frau zerstört ja den Ruf der ganzen Schule!“

Und da sie beinahe unbegrenzte Verfügungsgewalt  über Letizia und mich hat, leiden wir natürlich am meisten unter ihr. Die Probleme begannen schon in der ersten Woche: Sie fragte Letizia und mich beide nach einem Gastgeschenk. Da ich noch ein Geschenk übrig hatte, war es  kein Problem für mich, ihr eines zu überlassen. Letizia hatte allerdings keine Geschenke übrig. Deshalb musste sie sich dauerhaft Kommentare darüber anhören, wie undankbar sie war, weshalb ich mich wiederum unwohl fühlte, da ich das Gefühl hatte, sie mit meinem Geschenk in ihrer Erwartungshaltung bestätigt und damit einen ungleichen Umgang mit uns beiden ausgelöst zu haben. Wenige Tage später nahm ich die Schokolade aus dem Internat mit, die eigentlich für meine Gastfamilie als Geschenk bestimmt war. Als ich damit die Schule verlassen wollte, begann meine Betreuerin Kalyani, meine Tasche zu durchsuchen, bis sie die Schokolade schließlich fand. Sie drängte mich dazu, ihr diese zu  geben, da sie die erste Schokolade ihrem Bruder geschenkt habe und diese ihm doch so gut geschmeckt habe. Ich erklärte  ihr, dass es nicht möglich war, ihr die Schokolade zu überlassenen, da sie doch als Gastgeschenk für meine Familie gedacht gewesen sei, doch das interessierte Kalyani wenig. Sie erklärte, dass ich meiner Familie doch sowieso schon so viel geschenkt hatte und ihr zu wenig. Die Diskussion dauerte lange an und endete mit einer gekränktem Kalyani, die danach wiederum demonstrativ Letizia bevorzugte.

Naja, das größte Problem an der ganzen Sache ist, dass alle Kommunikation zwischen uns, AFS, der Gastfamilie und der Schule nur über diese Betreuerin läuft und dies wiederum zur falschen Weitergeben von Informationen und oft auch problematischen Missverständnissen führt. Ihre Art, Dinge weiterzugeben und dabei stets ihre eigene Interpretation der Situation zu Grunde zu legen, verursacht immer größere Probleme.

Sie schafft es oft, den Menschen einen falschen und für gewöhnlich negativen Eindruck von mir und Letizia zu vermitteln und gab sich zudem alle Mühe, direkten Kontakt zwischen uns und diesen Personen zu verhindern. So erzählt sie beispielsweise den Lehrern und vor allem der Schulleiterin immer wieder, dass ich mich zu lernen weigere und mich für nichts anderes als Sport interessiere. Sie behauptet,  ich interessiere mich weder für das Land noch für  seine Kultur oder eben den Schulstoff. Wenn ich versuche, mich zu erklären und sage, dass ich zwar gerne Sport machte, dennoch aber über vier Stunden jeden Tag mit Lernen verbringe und vor den Prüfungen sogar mehr als 14 Stunden pro Tag, entgegnet sie nur,  sie wisse, dass ich nicht lerne, denn sie sehe mich durch ihr drittes Auge. Selbst als ich sogar für einige Zeit damit aufhörte, Sport zu machen, um noch mehr zu lernen, behauptete sie weiter, sie wisse, ich lerne nicht und wenn sie das sage, sei das eben so, da könne ich machen, was immer ich wolle. Leider wird das Lernen in Indien als absolut das Wichtigste, was ein Jugendlicher in seinem Leben macht, angesehen und jemand der sich zu lernen weigert, gilt als nichtsnutzig und als eine Last für die Gesellschaft. Deshalb war das Bild, das Kalyani auf diese Weise von mir vermittelt, extrem negativ.

Dazu kommt noch, dass sie dazu tendiert, bereits vorhandene Konflikte durch Lügen und ihre weitreichende Fantasie zu verschärfen. Einmal, zum Beispiel, wollte eine Person, die wir nicht wirklich kannten, dass Letizia auf eine Party kommt. Wir wussten nicht warum und hatten auch nie vor, dort hinzugehen, wobei es dabei sowieso nur um Letizia ging. So kam es also, dass dieser Junge es sich erlaubte Letizia’s Gastmutter anzurufen, um diese davon zu überzeugen, Letizia auf die Party zu schicken. Natürlich verärgerte das Kalyani sehr, was unter Betrachtung der kulturellen Situation in Indien auch nachvollziehbar ist.  Wie sie dann aber reagierte war alles andere als angemessen: Erstens gab sie uns beiden die volle Verantwortung für das Geschehen, obwohl wir damit eigentlich nichts damit zu tun hatten und zweitens ging sie sogar so weit, meine Gasteltern (die strenger waren als Letizias) anzurufen und ihnen zu sagen, ich hätte mich beschwert, dass ich nicht auf diese Party dürfte und damit diesen Konflikt ausgelöst. Natürlich brachte das die Beziehung zu meiner Gastfamilie ganz schön aus dem Gleichgewicht, wobei diese glücklicherweise größeres Vertrauen in mich hatte als in Kalyani. Dennoch kann ich bis heute nicht verstehen, wie es erstens sein kann, dass mein Name überhaupt in die Geschichte hineingezogen wurde, wo er doch in Wirklichkeit nie in diesem Zusammenhang gefallen war und wie es außerdem dazu kommt, dass die Schuld für alles bei mir abgeladen wurde. Was blieb war der Vorwurf, ich hätte mich darüber beschwert, nicht auf eine Party gehen zu dürfen, von deren Existenz ich doch vor dem ganzen Konflikt überhaupt nichts wusste!

Dann, an meinem Geburtstag am 12. September, hatte ich mit meiner Gastfamlie ausgemacht, dass ich die Nacht vor meinem Geburtstag und den Vormittag mit den Mädchen aus dem Internat verbringen sollte und dann am Nachmittag mit ihnen nach Hause fahren sollte, um dort weiter zu feiern. Sie hatten geplant, ein paar Kleinigkeiten zum Essen für die Internatsschüler mitzunehmen und das sowohl mit Kalyani als auch mit der Schulleitung geklärt. Doch als sie auf dem Weg zur Schule waren, um mich abzuholen und die Snacks zu verteilen, bekamen sie plötzlich einen Anruf von Kalyani, sie dürften nicht kommen. Erst wurde gesagt, dass sie später kommen sollten, weil der Kuchen noch nicht da wäre (der Kuchen war zu dieser Zeit schon längst da und wir waren gerade dabei, ihn anzuschneiden), dann hieß es, es würde sich nicht lohnen zu kommen, weil es an der Schule in Strömen regnete (was nicht stimmte) und schließlich wurde ihnen mitgeteilt, dass sie sowieso nicht kommen dürften, weil die Snacks, die sie dabei hatten, auf dem Schulgelände nicht erlaubt waren. Beleidigt fuhr meine Gastfamilie also wieder heim. Und ich wurde mit der Information „sie wollen doch nicht kommen“ im Internat zurück gelassen. Mir war lange nicht klar, was Kalyani mit solchen Aktionen beabsichtigte, doch mit jedem weiteren Ereignis brach das Vertrauen zwischen ihr und mir weiter in Stücke. Sie war wirklich nicht die Person, der ich mich anvertrauen oder die ich um Hilfe fragen wollte. Nein, ich vertraute ihr nicht, nicht einmal ein bisschen und jedes Mal, wenn ich mit ihr sprach, fühlte ich mich als müsste ich gleich heulen. Ich will überhaupt nicht mit ihr sprechen und sie zwingt mich jeden Tag,  zu ihr zu kommen. Diese Begegnung ist der Tiefpunkt eines jeden Tages und selbst wenn ich das Gefühl habe, alles seit bis dorthin gut gegangen, dann ist dies nach dem Gespräch mit ihr nicht mehr der Fall. Sie hat nie auch nur eine einzige gute Sache über mich zu sagen. Sie schreit mich bei jeder Gelegenheit an, beschimpft mich und zweifelt jedes Mal wieder meine Persönlichkeit an. Letizia ergeht es sehr ähnlich.

Einmal fragte Letizia, ob sie eine Freundin besuchen dürfe, deren Eltern sie eingeladen hatte. Die Freundin hatte angeboten, sie zum Mittagessen mit ihrer Mutter abzuholen, dann bei ihr zu Hause zwei Stunden zu verbringen und anschließend nach Hause zu fahren. Da kein Weg daran vorbei führte, fragte Letizia also Kalyani um Erlaubnis. Kalyani allerdings wollte den Kontakt zu diesem Mädchen verhindern. Also behauptete sie, dass Letizia’s Gastfamilie ein Problem damit hätte und sie gebeten habe, dies nicht zu erlauben. Da Letizia sehr enttäuscht war und nicht verstehen konnte warum ihre Gastfamilie ein Problem mit jemandem haben sollte, den sie kaum oder gar nicht kannte, beschloss sie, die Familie darauf anzusprechen. Es stellte sich heraus, dass die Gastfamilie überhaupt nichts von dem Vorhaben gewusst hatte und nie irgendetwas dagegen gehabt hätte. Es war allein Kalyani, die den Kontakt zu verhindern suchte. Im Nachhinein behauptete Kalyani allerdings immer, dass diese Sachen nie passiert wären, also dass meine Gastfamilie beispielsweise nie vorgehabt hatte mich besuchen zu kommen oder dass Letti sie nie gefragt hätte, ob sie sich mit ihrer Freundin treffen dürfe.

Die nächste Sache, die mich ziemlich hart traf, war, dass Kalyani versuchte, meine Internatsleiterin und engste Vertraute gegen mich aufzuhetzen. Sie hatte es nie gerne gesehen, dass ich mit der Internatsleiterin besser zurecht kam als mit ihr und mich deswegen viele Male angeschrien und Dinge gesagt wie: „Sie hat nie irgend etwas für dich getan wie ich es tue. Schreibt sie Berichte über dich an AFS? Hilft sie dir, wenn du Probleme hast? Oder ruft sie den Arzt, wenn du krank bist? Sie würde sich nicht einmal dafür interessieren, wenn du krank bist, für sie bist du nur eine von vielen.“ Wenn ich darauf entgegnete, dass sie sich oft um mich kümmerte wenn ich krank war und mir viel half, war Kalyani tiefst beleidigt, weigerte sich, weiter mit mir zu sprechen und behauptete ich würde nicht wertschätzen, was sie für mich tue.

Deshalb versuchte sie, das Verhältnis zwischen der Internatsleiterin auf einer einen  und Letti und mir auf der anderen Seite zu zerstören. Dieses Verhältnis ist aber nicht nur deshalb sehr wichtig, weil sie als Internatsleiterin, die ganze Woche mit uns zusammenlebt und unter der Woche sozusagen so etwas wie unsere Gastmutter ist, sondern vor allem, weil sie die Person ist, die Letizia und mir am nächsten steht.

Eines Tages hatte Letizia Kalyani gefragt, ob wir denn generell Freunde treffen dürften, was diese verneinte und woraus sie ein riesiges Drama mit dem Vorwurf machte, wir wären nur hier, um Spaß zu haben und nicht, um irgendetwas zu lernen. Sie schrie Letizia an und betonte, wie viel besser ich wäre, weil ich nie wagen würde, solche Fragen zu stellen. Sie sagte, Letizia wäre nicht bereit, der Schule irgendetwas zurückzugeben, obwohl sie doch eine der Klassenbesten ist. Danach befahl Kalyani einer anderen Schulangestellten, Letizia zu sagen, dass sie wolle, dass Letizia zurück nach Italien geht und den Austausch vorzeitig abbricht, wenn sie es noch einmal wagen sollte dieses Thema anzusprechen.

Da Kalyani dazu neigt, immer jedem etwas von ihren Problemen mit uns mitzuteilen, drang diese Nachricht auch zur Schulleitung und eben auch zur Internatsleiterin vor. Weil sie einen Konflikt zwischen uns und ihr provozieren wollte und wusste, dass sie die Internatsmutter nicht einfach mit autoritärem Gehabe ruhigstellen konnte wie uns, erklärte sie ihr: „Wir wissen beide, dass Dunya und Letizia nur ausgehen wollen, um Bier zu trinken und wir wissen auch beide was danach passieren wird!“, wobei sie sich den Ausschnitt etwas tiefer zog und auf ihre Brüste deutete. Jeder, der mich kennt, wird an dieser Stelle wissen, wie ich zu Alkohol stehe und dass der Vorwurf schon alleine deshalb total unsinnig ist und jeder, der Indien kennt wird an dieser Stelle wissen, dass sie uns mit der Andeutung auf sexuelle Vorhaben den Bruch des größten Tabus der indischen Gesellschaft vorwarf! Mehr hätte sie uns in Indien eigentlich nicht erniedrigen können. Wir können nur von Glück reden, dass unser gutes Verhältnis zu unserer Internatsleiterin nicht einseitig war und diese deswegen nur völlig entsetzt zu mir kam und die ganze Geschichte erzählte und immer wieder dabei betonte sie könne einfach nicht fassen, dass jemand so über uns beide, die Schülerinnen, die sie am meisten von allen schätzt, rede. Dennoch müssten wir uns auch darüber im Klaren sein, dass diese Geschichte auch bei vielen anderen Leuten ankam, die nicht wie unsere Internatsleiterin hinter uns standen und unserem Ruf sehr schadeten.

Um Letizia und mich weiter unter Druck zu setzen, vergleicht sie uns außerdem dauernd untereinander. Einerseits erzählt sie mir ständig schlechte Dinge über Letizia und Letizia unangenehme Geschichten über mich, um uns gegeneinander aufzuhetzen (Glaubt sie wirklich, wir würden nicht miteinander sprechen?) andererseits wirft sie mir dauernd vor, alles falsch zu machen und, dass ich mich mehr wie Letizia benehmen solle (mehr tanzen, mehr Yoga,  mehr Zeichnen) und versucht mir sogar, den Sport ganz zu verbieten, damit ich mich ganz auf diese Dinge konzentrieren könne. Gleichzeitig sagt sie zu Letizia, sie solle doch endlich mit der Tanzerei aufhören, denn sie sei fett und solle lieber wie ich richtigen Sport machen und nicht auf Tanzwettbewerbe gehen. Würde es nicht einfach reichen,  uns beide das machen zu lassen, was wir gerne tun und worin wir gut sind, anstatt uns genau das zeitweise ganz zu  verbieten und uns so psychisch ständig weiter unter Druck zu setzen?

Das gleiche Spiel spielt sie auch mit unseren Gastfamilien. Meiner Familie wird vorgeworfen, dass Letizia’s Familie ihr den Geburtstagskuchen gezahlt habe und sie wurden gefragt, warum sie mir keinen in der gleichen Preisklasse bestellt hätten. Letizia’s Gastfamilie wird umgekehrt angekreidet, dass sie weniger mit Letizia kochten als meine mit mir. Mit der Zeit haben unsere Gastfamilien dadurch gar keine Lust mehr, uns aufzunehmen, weil ständig nur Vorwürfe und Beschwerden von Seiten Kalyanis kommen. Wenn meine Gasteltern in einer Woche mit mir kochten und in den Tempel gingen, mussten sie sich dafür verantworten, warum sie mir nicht beigebracht haben, wie man Henna Muster zeichnet, wenn sie genau das in der nächsten Woche taten, mussten sie dafür erklären, warum wir nicht gekocht hatten. Das führte zu immer mehr Frustration und einen zwischenzeitlichen Bruch im Verhältnis zwischen mir und meiner Familie.

Mir fällt es es wirklich immer  schwerer, dass sie uns dazu zwingt,  für jede Kleinigkeit um Erlaubnis zu fragen und uns bestraft, wenn wir es nicht tun, uns aber grundsätzlich nichts erlaubt. Sie war sogar sauer, als ich einmal Nachts um drei Uhr eine Schmerztablette ohne sie zu fragen einnahm, weil ich starke Bauchkrämpfe hatte. Gleichzeitig versucht  sie uns alles zu verbieten, was wir zu tun möchten: Uns mit Freunden zu treffen, Sport zu machen, an schulinternen Wettbewerben teilzunehmen, weil die nicht wichtig genug für uns seien und an schulexternen Wettkämpfen, weil die zu gefährlich seien. An sich verbietet sie uns alles, woran wir Freude haben, mit der Begründung wir seien nur da, um zu lernen.

AFS wurde von uns und auch von meinen Eltern über alle diese Probleme informiert. Allerdings wurden unsere Beschwerden nie soweit ernst genommen, dass etwas dagegen unternommen wurde. Als wir uns dann im November massiv bei AFS beschwerten, war ich an dem Punkt angelangt, an dem ich nicht mehr weiß, was ich tun soll. Ja, ich mag Kalyani nicht, ich vertraue ihr nicht und ich will überhaupt nicht mehr mit ihr sprechen, sie nicht einmal mehr sehen. Was ist der Sinn darin, ihr Sachen zu erzählen, wenn sie nicht einmal bereit ist, wirklich zuzuhören und ihre Meinung sowieso nicht ändert? Ich will nicht mehr, dass sie Dinge über mich weiß und ich habe alles Vertrauen in sie verloren. Sie ist mir keine Hilfe, sondern der Grund  dafür, dass ich dringend Hilfe brauche.

Genau da teilte ich mich auch AFS Indien mit, denn ich bin mir sicher, dass auch AFS kein Interesse daran haben kann, dass die Schüler, für die sie doch verantwortlich sind,  jedes Mal die Tränen zurückhalten müssen, wenn sie mit der Person sprechen, die sie eigentlich unterstützen solle. Es ist schwer zu erklären, wie sehr Letizia und ich am Ende sind, wenn wir ein Gespräch zu ihr geführt haben. Wie wir zusammensitzen und uns gegenseitig  zu ermutigen und zu beruhigen versuchen, bevor wir den Mut fassen,  zu ihr zu gehen, in dem Wissen, dass das Gespräch wieder in einem Streit und schließlich damit enden wird, dass sie uns anschreit und demütigt. Wir haben vorher Angst davor, zu ihr zu gehen wir  verlassen sie immer traurig und wütend. Es  dauerte manchmal den ganzen weiteren Tag, bis es jemand schafft, uns wieder aufzuheitern und am nächsten Morgen wachen wir auf, wohl wissend, dass sich alles wiederholen wird.  Wir haben fast schon Panik vor ihr und dem, was sie tut, denn sie schafft es immer wieder, uns an den Punkt zu bringen, an dem wir einfach nur noch zurück nach Hause wollen.

 

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