Ein bisschen Alltag … und ganz viel Freundschaft

Inzwischen sind schon ganze sechs Monate vergangen. Es scheint irgendwie unvorstellbar. Der strenge und volle Stundenplan der Schule lässt die Tage geradezu davonfliegen und Wochen gehen vorbei wie wenige Stunden.

Der Alltag hier wird langsam so normal als hätte ich nie etwas Anderes gemacht. Ich merke gar nicht mehr wie viele Regeln es gibt, denn jetzt reagiere ich aus dem Gefühl heraus im richtigen Moment angemessen. Ich weiß inzwischen genau, was gerne gesehen wird und was nicht. Auch wenn mir generell erlaubt wird, etwas mit Jungs zu unternehmen, fühle ich mich mit der Zeit irgendwie ein wenig unwohl, sobald Erwachsene in der Nähe sind. Die Regeln darüber was, wann, wie viel und mit wem ich etwas machen darf, sind zur völligen Selbstverständlichkeit geworden. Harte Regeln haben sich in Gewohnheiten verwandelt und diese Gewohnheit bringt sogar mehr Freiheit, denn ich lerne zu sehen, wann ich eine Situation so gut wie möglich nutzen kann. Insbesondere die Sportzeit lässt sich dadurch gerne mal ein wenig ausdehnen.

Doch einem der besten Aspekte meines Auslandsjahrs habe ich hier noch gar nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt: Meinen und Letizias Zimmerpartnerinnen, den „Shilong-Mädchen“. Sie alle kommen aus dem Nordosten Indiens, einem quasi völlig anderen Kulturkreis. Sowohl ihr Aussehen als auch ihr kultureller Hintergrund sind sowohl asiatisch als auch britisch geprägt und dennoch gehört auch die indische Kultur für sie zur Normalität. Dadurch können sie sowohl mich als auch die Menschen hier um mich herum verstehen und wurden meine engsten Freundinnen im Internat.

Geburtstagsparty zimmer

Insbesondere die Nächte machen viel Spaß mit ihnen: Ob Geburtstag, Wochenende oder einfach Spaß-an-der Freud´- unsere nächtlichen „Parties“ haben mir gezeigt, wie viel mehr man sein kann, wenn man weniger hat.

Selbstgemachte Karten, mit nichts anderem als weißem Papier und Farbstiften hergestellt, werden zu den schönsten Geschenken, die ich je bekommen habe und improvisierte Tänze zu laut abgespielter MP3-Player-Musik werden zur Performance, „Kuchen“ aus Milch und zermantschten Keksen zu einer meiner Lieblingsspeisen.

Diese Mädchen sind für mich nicht nur verdammt gute Freunde, sie sind für mich pure Inspiration und ein Beispiel für reinste Lebensfreude. Als Zwöftklässlerinnen und potentielle „Topper“ wird ihnen eigentlich das Leben hier zur Hölle gemacht. Täglich müssen sie stundenlange Prüfungen in zwei verschiedenen Fächern schreiben und außer Lernen und Schlafen wird eigentlich nur noch Essen erlaubt. Ich weiß nicht, wie sie alle mit den 4-5 Stunden Schlaf, der ihnen pro Nacht bleibt, so fröhlich sein können und woher sie die Kraft nehmen, so viel und so herzlich zu lachen. Selbst samstags und sonntags haben sie Prüfungen.

Ich weiß leider, dass sie die Schule hier sogar noch vor mir verlassen werden. Ich weiss aber auch, dass ich sie alle eines Tages wieder sehen und garantiert NIEMALS vergessen werde!

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